Datenschutz – was geht mich das an?

Wir schreiben den 24.5.2018 –
genau ein Tag vor der digitalen Apokalypse!

Der Todesstern DSGVO hat Europa fast erreicht.

Die Zerstörung der digitalen Welt steht kurz bevor.

 

So könnte man denken, wenn man die Medien in den letzten Wochen verfolgt hat, aber keine Angst – so schlimm wird es nicht werden.

Die meisten der Regelungen gab es auch bisher im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG).
Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) regelt auf europäischer Ebene den Umgang mit personenbezogenen Daten, ist bereits seit 2016 gültig und wird zum 25.5.2018 anwendbar – ebenso wie das BDSG (neu).

Zur DSGVO will ich gar nicht mehr viel schreiben, wir haben in den letzten Monaten schon viel zu lesen bekommen, viel Richtiges, viel Falsches, viel Halbgares.
Endgültige Klarheit wird es in vielen Punkten erst geben, wenn die ersten Urteile vorliegen.

Worum es mir hier geht, ist das Thema Datenschutz im privaten Umfeld – der Umgang mit Daten im geschäftlichen Umfeld sollte bereits jedem bekannt sein.

Wieso überhaupt und warum ist das wichtig? Was habe ich damit zu tun?

Wir leben in einer digitalen Welt, wir kaufen online ein, surfen im Internet, nutzen und WhatsApp, kommunizieren und telefonieren kabellos.

Wir sind ‚Allways On‘

Unsere Kühlschränke kaufen selbstständig fehlendes Gemüse, per Knopfdruck erhalten wir neues Waschmittel.
Unsere Smartphones kennen uns besser als wir uns selbst, wissen wieviel und wohin wir uns bewegt haben, wo unsere Autos geparkt sind und welchen Puls wir heute Nacht um 3:21 Uhr hatten.

Die meisten dieser Informationen sind für uns hilfreich, erleichtern den Tag, erinnern uns an Dinge die wir sonst vergessen würden und geben uns auch Zeit.
Das ist der Grund warum wir diese Helfer nutzen und dankend annehmen, besonders, wenn und weil uns diese Leistungen vermeintlich nichts kosten.

Und jetzt kommt das ‚Aber‘ – alle diese Gadgets, Helfer und Apps benötigen unsere Daten um arbeiten zu können.
Dabei fallen unendliche viele Daten über uns und unsere Angewohnheiten an, vielfach auch Daten von Dritten (Kindern, Freunden, Kontakten).
Diese Daten lassen sich auf Personen beziehen, Personen zuordnen und Algorithmen nutzen die Daten um viel mehr über uns und andere heraus zu finden als uns lieb sein sollte.

Der Sinn einer DSGVO oder BDSG ist, den Umgang mit diesen Daten zu regeln, festzulegen, wie solche Daten erhoben, verarbeitet und genutzt werden dürfen.
Dieses dient dem Schutz der Dateninhaber – das sind wir alle – vor Missbrauch!

Daher sollten wir dankbar für die DSGVO sein.

Warum ist das nötig?

Die Anbieter der genannten Helferlein (Plattformen, Apps) sind – in der Regel – keine Wohltätigkeitsvereine.
Es sind Aktiengesellschaften, Kapitalgesellschaften und auch die ein oder andere zwielichtige Gestalt ist dabei.
Diese Anbieter müssen Gewinne erwirtschaften, müssen von etwas leben, sollen und wollen ihren Aktionären zu Reichtum verhelfen.

Wie kann das funktionieren, wenn eine solche Leistung kostenfrei angeboten wird?

Wir alle bezahlen diese Leistungen mit unseren Daten, mit unserer digitalen Identität, mit unseren Bewegungsprofilen und Interessen.
Wir erhalten auf uns angepasste Werbung (was im Grund vielleicht sogar besser ist, als Werbung die uns gar nicht interessiert), wir erhalten Tipps zu einem naheliegenden Restaurant, für einen Film der uns interessieren könnte oder ein Buch (ja, offenbar liest noch jemand Bücher..)

Wenn wir solche Daten freiwillig und wissentlich für einen spezifischen Zweck zur Verfügung stellen – dann haben wir uns das so ausgesucht und dann ist die Erfassung, Verarbeitung und Nutzung dieser Daten auch völlig in Ordnung, selbst aus Sicht der DSGVO.

Werden solche Daten OHNE unser Wissen erhoben und genutzt – dann ist das eben nicht in Ordnung.
War es im Übrigen auch vor der DSGVO nicht, aber die Sanktionen hielten sich hier auf Portokassen Niveau, wenn überhaupt.

Oftmals wurden daher die Datenschutzbestimmungen durch Unternehmen nach dem Motto  ‚das Kosta fast gar nix‘ ignoriert.
Nun sieht das etwas anders aus, es hängen deutlich höhere Bußgelder zu deutlich mehr sanktionsfähigen Punkten um Raum.

Es geht ums Geld – und damit kam auch die Panik.

Wie betrifft das mich?

Datenschutz betrifft uns alle, wir müssen uns Gedanken machen, welche Daten wir von uns preisgeben und preisgeben wollen, wessen Daten wir überhaupt freigeben, an wen und warum!

Wir gehen viel zu Gedankenlos mit personenbezogenen oder personenbeziehbaren Daten um.

Wir posten auf Social Media Plattformen, wie schön unser Urlaub gerade ist
eine Einladung für jeden Einbrecher

Wir posten Fotos von unseren Kindern und Enkeln oder anderen Personen
– haben wir jemals nach dem Einverständnis der betroffenen Person gefragt?
– Vielleicht möchte unser Kind nicht im Internet gezeigt werden. Auch und besonders Kinder haben ein Recht auf digitale Selbstbestimmung

Wir posten unser Essen, unsere Einstellung, unsere Meinung, unseren neuen Pullover und unser neues Auto
Unser Essen hat zumindest kein Recht auf Selbstbestimmung, schon mal ein Anfang
Aber was macht eine Plattform oder App aus diesen Daten und wollen wir wirklich daraufhin Werbung von einem anderen Pullover Fabrikanten oder einer anderen Autoversicherung erhalten?

Wir lassen uns tracken, überwachen und ausspionieren
-Wir surfen nicht anonym, wir nehmen jeden Cookie an, wir gestatten die Nutzung von allerlei Überwachungsmöglichkeiten

Wir denken, dass Verschlüsselung von Daten für uns kein Thema ist
– Wir übertragen Daten über ungesicherte Leitungen, speichern Kennwörter im Klartext, speichern Daten unverschlüsselt auf Datenträgern oder in der Cloud

Wir packen unsere Daten in die Cloud, oftmals ohne Kenntnis der technischen Möglichkeiten oder Einschränkungen des jeweiligen Anbieters oder Dienstes
– End–to–End Verschlüsselung klingt für uns nach Krankheit statt nach Medizin, Hauptsache ‚alles ist sicher online‘

Bei all unseren digitalen Ausflügen und Unternehmungen fallen so permanent Daten an.

Das Ermittlungsbehörden und die böse NSA es schaffen, mit diesen gigantischen Datenmengen umzugehen, ist seit Snowden kein Geheimnis mehr.

Es ist Heutzutage aber auch für Kapitalunternehmen technisch und wirtschaftlich KEIN Problem mehr mit den Datenbergen fertig zu werden.
Im Gegenteil, es ist das tägliche Geschäft der Datenkraken eben genau solche Leistungen zu stemmen und mit dem Ergebnis Gewinne zu erwirtschaften.

Hier mal ein Beispiel, was der Facebook Algorithmus aus den Daten zieht und wie er über meine Einkaufsgewohnheiten denkt:

Da muss ich sagen, das ist schon verdammt gut.

Und das, obwohl ich persönlich kaum Informationen über gekaufte Produkte teile.
Diese Daten errechnen sich ausschließlich über mein allgemeines Nutzerverhalten auf Facebook!

Und dank des Algorithmus weiß ich jetzt auch, wie es um meine Gesundheit bestellt ist

5 von 5 – auch hier liegt das Ding verdammt richtig, ja, ich sollte es dem Algorithmus zeigen und Mitglied in einem Sportverein werden.

Was kann ich tun?

Wir können alle eine Menge dafür tun, Daten vor Missbrauch zu schützen.
Unserer Daten und besonders die Daten von Dritten.

Mit unseren eigenen Daten dürfen wir im Rahmen unserer Selbstbestimmung tun und lassen was wir möchten, sinnvoll wäre es, wenn wir uns hier dennoch Gedanken machen würden.

Mit den Daten von Dritten dürfen wir nur das tun, was der Dritte uns zugestanden hat, hier gilt der Datenschutz im Sinne der DSGVO oder BDSG auch für jeden von uns.

Ein paar Tipps die wir alle berücksichtigen können:

  • Erfassen, teilen und posten Sie keine Daten / Fotos für die Sie keine Freigaben haben
  • Posten Sie besonders keine Fotos von Ihren Kindern im Internet
  • Seien Sie sparsam mit Informationen über sich und Ihre Gewohnheiten
  • Beschränken Sie die ‚Sichtbarkeit‘ Ihrer Informationen auf den jeweiligen Plattformen
  • Posten Sie Urlaubsbilder nach Ihrem Urlaub
  • Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass Sie kostenlose Leistungen erhalten
  • Teilen Sie nicht gedankenlos!
  • Seien Sie Skeptisch – schärfen Sie Ihr Bewusstsein – hinterfragen Sie den Sinn von gewissen Dingen, Posts und Aussagen. Nicht jede Meldung ist korrekt
  • Seien Sie geizig mit Ihren Daten, so geizig wie es geht
  • Geben Sie mal bewusst Ihre Payback Karte nicht an der Kasse ab, verzichten Sie auf die 1%
  • Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass Sie kostenlose Leistungen erhalten
  • Hinterfragen Sie den Grund einer Datenerfassung, auch wenn Sie diese selbst durchführen
  • ‚Hinterlassen Sie diesen Ort bitte so, wie Sie in vorfinden wollen‘ – Machen Sie sich Gedanken  um die Ihre und die Daten Dritter, privat wie beruflich
  • Lesen Sie einfach mal die DS Erklärungen der ein oder anderen App, und stellen Sie die Nutzung einer App ggf. auch ein. Selbst, wenn es sich um WhatsApp handelt. Schauen Sie nach Alternativen – je mehr Nutzer das tun, desto höher auch der Druck auf den Anbieter sein Datenschutzverhalten zu überdenken.
  • Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass Sie kostenlose Leistungen erhalten
  • Lernen Sie Ihre Rechte kennen und setzen diese auch durch! Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung. Recht auf Vergessen werden!

Wenn wir alle die Wichtigkeit dieser – unserer – Daten erkennen und berücksichtigen, dann werden wir an , Privatsphäre und Selbstbestimmung gewinnen.

Unserer Digitale Identität ist das Hab und Gut des 21. Jahrhunderts, schützen wir dieses so gut wie wir unser Analoges Gut schützen!
Schließen wir ab, lassen nur berechtigte Personen an unseren Daten teilhaben. So schützen wir uns vor Diskriminierung, Datenmissbrauch und Überwachung.

Daten die durch unser Verhalten geschützt, nicht vorhanden oder nicht zugänglich sind KÖNNEN nicht missbraucht werden!

Damit bekämpfen wir die dunkle Seite der Macht!

Hinweis: alle diese Hinweise uns Einschätzungen sind meine persönliche Meinung, diese kann weder in allen Punkten korrekt noch umfassend sein. Wenn Sie belastbare Informationen benötigen, dann wenden Sie sich bitte an einen Anwalt, Datenschützer oder an Mutti.

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